" OFW"

"Elvira", 80

Seit 30 Jahren auf der Straße. 

Nach dem Krieg hat sie als Bäuerin und in einem Krankenhaus gearbeitet.

Von den Ämtern im Stich gelassen, wie sie sagt.

 

Schläft bevorzugt in Bahnhöfen oder Eingängen. Auf meine Frage, wie sie das gesundheitlich mitnehmen würde, antwortete sie, dass sie Probleme mit den Beinen und dem Herz hätte. Da weinte sie wieder und erwähnte die Behörden. Auch sie hat keine Familie.

Diese Geschichte hat mich besonders betroffen, da sie wohl eines Tages einfach tot auf der Straße liegt und es niemanden interessiert.


Matze, 30

Seit 1,5 Jahren wieder auf der Straße. Gelernter Zimmermann, mit 14 Jahren von zu Hause weg. Nach seiner Ausbildung ist er durch die Welt gereist und sei Vater eines 6 jährigen Sohnes. Hat durch seine Heroinabhängigkeit erst die Frau, dann seine Wohnung verloren. 

Trotz seiner Lage möchte er von der Straße weg und hatte am nächsten Tag unseres Gespräches eine Besichtigung einer Sozialwohnung.

 

Bei ihm hatte ich am Schnellsten den Eindruck der Offenheit, auch wenn es ihm  unangenehm mir aus seinem Leben zu erzählen und Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich hoffe, er hat die Wohnung bekommen.


Rainer, 45

Seit 7 Jahren obdachlos. Gelernter Tischler. Zuerst verlor er seine Arbeit. Danach nahm sein Leben den Lauf der meisten Obdachlosen.

Er trinke nicht und nehme auch keine Drogen. Es gab keinen Grund ihm nicht zu glauben. Er wirkte wach und vertrat, trotz seiner Lage, eine klare Haltung. Die Finger vom Alkohol, klauen oder moralisch fragwürdigen Dingen.

Aus diesem Grund schliefe er auch nicht in Heimen oder anderen Unterkünften für Obdachlose.

Er fühle sich von der Gesellschaft unverstanden und in eine Schublade gesteckt. Familie hat er keine.

Schade, dachte ich, als ich ging. Er hat Werte, die in die Gesellschaft gehören, nicht an der Rand.  


Milan, 31

Seit 2,5 Jahren in Hamburg obdachlos.

Kommt ursprünglich aus der Slowakei und war früher Gärtner. Er bezeichnet sich selbst als Nomade oder Weltenbummler. Von Zeit zu Zeit reist er durch die Welt und sitzt quasi international auf der Straße.

 Er sagt, es habe alles 2 Seiten. Es ist gut allein zu sein. Er sei frei.

Keine Familie.

Als ich mit ihm sprach, erlebte ich am eigenen Leib, welchen Blicken man ausgesetzt ist. Einen ganz besonders abfälligen konnte sogar ich fest halten, als ich mit ihm sprach. Leider kann ich das Bild nicht zeigen.

Sicher möchte der Herr im Anzug nicht als schlechtes Beispiel her halten.


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